Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremerhaven

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Inhalt: Die Geschichte des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bremerhaven

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven ist nicht, wie viele andere Ämter und Dienststellen aus Anlaß einer größeren Baumaßnahme für Erledigung der damit anfallenden Bau- und Verwaltungsaufgaben entstanden. Die Entstehung und Errichtung ist das Ergebniss einer historischen Entwicklung unter Beachtung der damaligen reichs- und landesrechtlichen Zuständigkeiten. Die Stadt Bremen erwarb bereits im Jahre 1410 das Recht , im Gebiet der jetzigen Außenweser Tonnen auszulegen und Baken auszusetzen. Dieses Recht ist in einer Urkunde Kaiser Karls des V. vom 20. Juli 1541 verbrieft. Seekarten enthalten bereits 1634 eine Betonnung am sogenannten "Roten Grund".

Im 19. Jahrhundert mehrten sich die Stimmen, die eine gründliche Reorganisation des Seezeichenwesens propagierten. Die Unterhaltung der schwimmenden Seezeichen war für die zuständige Handelskammer immer aufwendiger geworden. Veranlaßt durch diese erhöhten Aufwendungen, aber wohl auch im Vorgriff auf potentielle Streitigkeiten zwischen den drei Unterweseranrainerstaaten Bremen, Preußen und Oldenburg, forderte die Handelskammer 1869 Reformen in der Verwaltung. Nach komplizierten Verhandlungen wurde am 1. August 1876 eine Konvention über die Bildung einer gemeinsamen Behörde ratifiziert. Das neugegründete Tonnen- und Bakenamt begann am 1. Juli 1877 seine Arbeit. Noch heute erinnern am Giebel des Tonnenschuppens die Wappen der drei Bundesstatten daran, daß das Tonnen- und Bakenamt als zwischenstaatliche Behörde von Preußen, Oldenburg und Bremen gegründet wurde. Die Ausgaben wurden durch das Feuer- und Bakengeld, in früheren Zeiten Tonnengeld finanziert. Für den Eventualfall war vorgesehen, daß Bremen 9/10 und Preussen und Oldenburg je 1/20 zur Finanzierung des Amtes beizutragen hatten.

Tonnen und Bakenamt
Das Tonnen- und Bakenamt im Jahre 1890

Im Jahre 1921 gingen die dem allgemeinen Verkehr dienenden Wasserstraßen von den Ländern auf das Reich über. Für die Weser bedeutete dies, daß die bisher von der bremischen Strombaukommission wahrgenommenen Strombauaufgaben und die vom Tonnen- und Bakenamt ausgeführten Seezeichenaufgaben nunmehr in einer bremischen Wasserstraßendirektion vereinigt wurden, die jetzt die Aufgaben im Auftrage und auf Rechnung des Reiches weiterführte. Für die Wahrnehmung dieser Aufgaben im Bereich der Außenweser wurde hierfür in Bremerhaven ein Wasserstraßenamt eingerichtet.

Die erste große Aufgabe dieses Amtes war die Verlegung des Fahrwassers vom Wurster- in den Fedderwarder Arm mit entsprechendem Ausbau einer 200 m breiten, 10 m unter Seekartennull (SKN) tiefen Fahrrinne. Der sorgfältigen Vorarbeit und Planung des damaligen Wasserstraßendirektors Plate ist es zu verdanken, daß dieses Vorhaben, für das es kein Vorbild gab, in jeder Hinsicht erfolgreich ablief. Die damals geplanten und ausgeführten Maßnahmen haben sich heute als richtig und im Einklang mit der vorhergesagten natürlichen Entwicklung im inneren Außenweserästuar stehend erwiesen.

Im Zuge der Fahrwasserverlegung war auch eine Neugestaltung der Fahrwasserbezeichnung durchzuführen und so wurden in den Jahren 1923/25 der Leuchtturm Robbenplate sowie 12 weitere Leucht-Dreibeinbaken errichtet.

Im Jahre 1936 zählte das Wasserstraßenamt Bremerhaven 347 Bedienstete. Ihm standen 2 Tonnenleger, 4 Bereisungs-, Schlepp- und Peildampfer, 4 Saugbagger, 1 Eimerkettenbagger, 6 Feuerschiffe (einschl. Reserve) und eine Vielzahl von Dampfrähmen und Motorschuten zur Verfügung.

Tonnenleger Weser
Tonnenleger Weser

Bis zum 2. Weltkrieg waren es reine Unterhaltungsaufgaben, die das Amt durchführte. Das neue Fahrwasser stabilisierte sich. Die Unterhaltungsbaggermengen gingen kontinuierlich um jährlich 70.000 m³ zurück. Schwierigkeiten gab es lediglich am Strombauwerk Langlütjennordsteert. Durch überaus harten prielseitigen Stromangriff mußten immer wieder Schäden beseitigt werden. Als es im 2. Weltkrieg an der erforderlichen Unterhaltungskapazität mangelte, brachte der Fedderwarder Priel den Leitdamm trotz seiner massiven Steinbauweise auf etwa 600 m zum Einsturz.. Der Damm sackte um mehrere Meter durch Unterspülung ab.

Als Folge von Kriegsereignissen gingen der Dampftonnenleger "Weser" und 2 Feuerschiffe verloren. 1942 wurde die "Weser" von einem aus der Kaiserschleuse auslaufenden U-Boot gerammt und sank am westlichen Wattrand. Ostwärts vom Leuchtturm Roter Sand wurde am 8. September 1944 das Feuerschiff Norderney I durch einen Fliegerangriff versenkt.

Norderney
Feuerschiff Norderney I

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland übernahm die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes die Aufgaben der früheren Reichswasserstraßenverwaltung. Das Wasserstraßenamt Bremerhaven änderte seinen Namen in Wasser- und Schifffahrtsamt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt stellte die alten Solltiefen wieder her und stabilisierte in einem umfangreichen Programm die Ufer so, daß sich eine Fahrrinnentiefe von 11 m unter SKN einstellte.

Von 1960 bis 1965 wude eine Landradarkette für die Außenweser aufgebaut. Seitdem können Schiffe bei nahezu jedem Wetter und auch bei schlechter Sicht Bremerhaven erreichen. In dieser Baumaßnahme wurde der Leuchtturm Roter Sand durch den Leuchtturm Alte Weser ersetzt.

Alte Weser
Leuchtturm Alte Weser

1967 begann der 12 m Ausbau der Außenweser mit der Herstellung der Plansohle. Die Arbeiten verliefen so zügig, daß die Baggergeräte 1972/73 unverzüglich den 9 m Ausbau der Unterweser einleiten konnten.

1973 war auch die Automatisierung der festen Seezeichen in der Außenweser abgeschlossen; seit dieser Zeit werden die ehemals bemannten Leuchttürme in Schaltgruppen zusammengefaßt durch die Hauptschaltzentrale Bremerhaven gesteuert und überwacht. Im Zuge der Automatisierung wurde 1981 auch das letzte bemannte Feuerschiff der Weser eingeholt. In der Zeit konnte auch die Landradarkette Unterweser von Bremerhaven bis zur Huntemündung erweitert in Betrieb genommen werden.

Ein weiteres historisches Ereignis des Seezeichenwesens ist der 11.11.1986. An diesem Tag wird das Feuer des Leuchtturmes "Roter Sand" gelöscht. Der Turm wird an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zum dauernden Besitz abgegeben.

In den Jahren 1992 bis 1997 wird die Verkehrszentrale Bremerhaven umgebaut und erweitert. Neben verbesserten räumlichen und technischen Arbeitsbedingungen wurden insbesondere die nachrichtentechnischen Einrichtungen modernisiert und den technischen Entwicklungen angepaßt. Am 07.05.1997 erfolgt die Einweihung der Zentrale. Damit verfügt die Weser über eines der modernsten Verkehrssicherungssysteme der Welt, das den hohen Ansprüchen an einen sicheren und flüssigen Verkehrsablauf gerecht wird.

Containerschiff
Containerschiff der 4. Generation

Nach einer 9-jährigen Planungsphase erfolgt 1998/1999 ein weiterer Ausbau der Außenweser auf eine Mindestiefe von 14 m unter Seekartennull. Damit können Containerschiffe mit einem max. Tiefgang von bis zu 12,60 m (Panmax-Klasse) bzw. 12,30 m (Post-Panmax-Klasse) tideunabhängig Bremerhaven anlaufen.