Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremerhaven

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Inhalt: Das Feuerschiff Weser

Zwanzig Jahre ist es her, dass mit dem Feuerschiff "Weser", das letzte Feuerschiff in unserem Revier eingezogen wurde, ein Anlass einen Rüblick auf die Geschichte der Feuerschiffe vorzunehmen.
In Flussmündungen und an Küsten mit wandernden Untiefen (Sandbänken) zeigte sich schon sehr früh, dass nur durch Feuerschiffe eine sichere Navigation gewährleistet sein würde. England als führende Seefahrernation "britain rules the waves" war bei der Entwicklung der Feuerschiffe führend. Aber auch an der deutschen Küste erkannte man sehr schnell, dass als Ansteuerungspunkt Tonnen nicht mehr ausreichten, und begann im Bereich der Flussmündungen und Sände Feuerschiffe auszulegen. Dies geschah nicht nur in der Wesermündung, sondern auch an der Ems, der Elbe und vor der Eider.
Auf hoher See zeigen bei klarer Sicht die Gestirne dem Kapitän den Weg. Bei Annäherung an eine Küste reicht dies nicht mehr aus. Durch die weit in der See vor den Flussmündungen ausliegenden Feuerschiffe wird dem Kapitän am Tag bei guter Sicht, durch den leuchtendroten Rumpf, und nachts durch ein lichtstarkes Feuer, bei Nebel und unsichtigem Wetter das Nebel- und Unterwassersignal, eine nicht zu unterschätzende Navigationshilfe geboten.
Die älteste bekannte Seekarte von der Weser stammt aus dem Jahre 1588, die erste gedruckte stammt aus dem Jahre 1642 und meldet die Verlegung von Tonnen beim Roten Sande. Urkundlich belegt ist nur die Schlüsseltonne (hölzerne Tonne mit einem Schlüssel-Toppzeichen) die 1664 erwähnt wurde. Die Tonnen wurden von Fahrzeugen ausgelegt, die gleichzeitig auch zur Bewachung der Weser benutzt wurden und Tonnenboyer oder auch die "Barsen" genannt wurden. Danach wurde dann der Leiter des Tonnen- und Bakenwesens als "Barsemeister" bezeichnet.

Weser Feuerschiff "Bremen" um 1875

Weser Feuerschiff "Bremen" um 1875

Es ist noch eine Karte der Auβenweser aus dem Jahre 1791 vorhanden, die der Barsemeister Mensing angefertigt hat. In dieser Karte sind in der Wesermündung an bestimmten Liegeorten "Ausleger" Oder "Orlog"- Schiffe verzeichnet. Hierbei hat es sich vermutlich um die zum Schutz der Schifffahrt gegen "Kaperer" und "Seeräuber" ausgelegten Fahrzeuge der alten "Convoye" gehandelt. Sie mögen auch schon der Ansteuerung der Weser nach der Art von Feuerschiffen gedient haben.
Das erste Leuchtschiff "Der Pilot" wurde 1818 vor der Wesermündung auf der Position ca. 53°51´33´N 007°53´13´E ausgelegt. Dieses Fahrzeug war für eine halbjährliche Bordzeit mit 8 Mann besetzt und diente gleichzeitig als Lotsenherberge. Es besaβ neben den gezeigten Tag- und Nachtzeichen zum Schutz gegen gefährliche Annäherungen eine Signal-kanone.

Über die Indienststellung des Leuchtschiffes "Der Pilot" erschien eine gedruckte Nachricht als "Anzeige für Seefahrer"

Anzeige für Seefahrer

Um die Schifffahrt auf der Weser möglich zu sichern,ist zwischen der sogenannten Tegeler-Plate und dem Rothengrund,im Fahrwasser unweit der 7ten schwarzen,genannt Mellum-Tonne, und zwar auβerhalb derselben auf 8 Faden Tief beym Eintritt der Flut-ein Signal-Schiff vor einem Ketten-Anker hingelegt,welches diese Station nicht anders als von Eisganggezwungen verlassen darf.
Es ist daran kenntlich,dass es zwey Masten, nämlich einen Groβen- und einen Besanmast hat,und das während der Tageszeit von dem Topp des Groβen-Masts, eine weiβe Flagge,worin ein rothes Kreuz befindlich, weht.
In der Nacht aber wird auf demselben ein Laternenlicht, etwa 28 Fuβ hoch, unterhalten, welches bey reiner Luft in einer Entfernung von ¾ deutscher Meile sichtbar ist.
Die Märke, welche den Ankerplatz dieses Schiffs näher bezeichnen, sind folgende
Es liegt in einer Linie
mit Helgoland nach dem Kompass N. 1/4 O. u. S. 3/4 West,
dem Thurm von Wangeroog W. 2/3 N. u. O. 2/3 Süd,
der Minsener Kirche in Jeverland SW. z. W. u. NO. z. Ost,
der Weser-Baake S. z. O. u. N. z. West.
stationirt, welches den Seefahrenden hiermit nachrichtlich angezeigt wird.
Bremen, im Oktober 1818.

Dieses erste Feuerschiff erwies sich jedoch als nicht besonders seetüchtig; es wurde 1830 durch einen Neubau gleichen Namens ersetzt.
1840 wurde durch den Aufschwung des Seeschiffsverkehrs ­ inzwischen war Bremerhaven gegründet worden ­ ein zweites Leuchtschiff erforderlich. Es lag in Höhe der "Bremer Bake", vor dem Dwarsgatt, der Einfahrt zum Wurster Arm. Dadurch konnte die einlaufende Schifffahrt bei Dunkelheit bis zum "Hohen Weg" gelangen, um von dort aus bei Tagesanbruch die Fahrt stromauf fortzusetzen.
Die Zeit bis zum 1. Weltkrieg wurde damit genutzt, teilweise abgängige Fahrzeuge ­ wie den "Pilot" von 1830 durch neue zu ersetzen, für jede der 2 Positionen Reserveschiffe zu bauen und die schon vorhandenen zu modernisieren. Sie wurden auf Dampfbetrieb umgestellt und elektrifiziert, und erstmals auf Feuerschiffen überhaupt wurden hier Funkstationen eingerichtet und verschiedene Schallzeichen eingebaut.
Während des 1. Weltkriegs waren die Feuerschiffe der Marine unterstellt, dienten dort zumeist als Sperrschiffe vor Einfahrten der Reviere und überstanden diesen Krieg weitgehend unversehrt.
Danach folgten bis 1939 eine weitere Modernisierungsphase, die durch die Ausbaumaβnahmen der Auβenweser ausgelöst wurde und eine weitere, wesentliche Verbesserung des Seezeichenbetriebes zur Folge hatte.
Im 2. Weltkrieg wurden die Feuerschiffe der Weser auch für militärische Zwecke eingesetzt. Einige Feuerschiffe gingen durch Kriegseinwirkungen verloren.
Nach dem Krieg wurde das Feuerschiff "Norderney I" auf die Station "Weser" der Ansteuerung‚ der "Neuen Weser", ausgelegt.

Feuerschiff

Feuerschiff "Weser"
Bauname: Norderney
Baujahr: 1904
Länge ü. A.: 48,12m
Breite ü. A. :8,04mr
Tiefgang: 4,6m
Maschinenleistung: 300 PS
Fahrgeschwindigkeit: 6kn
Besatzung: 12 Mann/Schicht
Eingezogen am 15.08.1981

Gesamtbesatzung: (Stand 1967)

2 Kapitäne; 2 Maschinisten; 2 Funker; 2 Bootsmänner; 2 Bootsmänner; 2 Köche; 10 Matrosen; 2 Motorenwärter; 2 Elektriker
Ablösung: 14-tägig mittwochs
Eine Hälfte der Gesamtbesatzung ist jeweils an Bord, die andere hat frei.

Ablösungsfahrt mit dem Boot

Ablösungsfahrt mit dem Boot

Abgesehen von Modernisierungen und Umbauten änderte sich in den letzten 50 Jahren der Dienst auf den Feuerschiffen nicht grundlegend. Die Besatzungen (von den beamteten Kapitänen wird das A6-Patent heute AG und von den Matrosen wurde seemännische Praxis verlangt) versahen zu Anfang der Ära,  ihren Dienst, als es weder Radio, noch eine Zeitung oder gar Fernsehen gab, in spartanischer Einsamkeit. Ein jeder kannte die Lebensgeschichte, die Nöte, die Sorgen und Leiden des anderen.
Da die ersten Feuerschiffe (Leuchtschiffe) bei Eisgang eingezogen wurden, erhielten sie nur eine Besatzung. Einen bezahlten Urlaub gab es zu dieser Zeit noch nicht, so dass die Besatzung während der Liegezeit im Hafen abmusterte oder an Bord mit Unterhaltungsarbeiten beschäftigt wurde.
Verhältnis neu geregelt. Seit dieser Zeit gibt es dann auch eine Ablösung der Besatzungen, die neun Monate Dienst und drei Monate Urlaub hatten. Nach 1921 wurden Dienst und Freizeit wie 2/1 (zunächst vier Monate Dienst und zwei Monate Freizeit) verteilt, die bis 1958 auf vier Wochen Dienst und zwei Wochen Freizeit abgekürzt wurden. Nach der zum 1. April 1958 abgeschlossenen Sonderregelungen für die Besatzungen der Feuerschiffe und Leuchttürme hatten die Besatzung bis zur Außerdiensstellung des Feuerschiffs "Weser" zwei Wochen Dienst und zwei Wochen Freizeit. Die Ablösung erfolgte gewöhnlich auf der Station und wurde durch amtseigene Fahrzeuge durchgeführt.

Maschinenraum

Der Maschinenraum

Die Aufgaben der Feuerschiffsbesatzung waren u. a:

Der Leuchtturm

Als 1981 das letzte Feuerschiff eingezogen und außer Dienst gestellt wurde ging eine mehr als 160jährige Ära zu Ende. Zu Anfang wurde das Feuerschiff durch eine Großtonne (Diskustonne) ersetzt. Hier zeigte sich sehr schnell, dass diese Tonnenform wegen der starken Schlingerbewegungen und die dadurch entstehende Behinderung bei Wartungsarbeiten für dieses Seegebiet nicht geeignet war. Die Großtonne liegt heute in der Ostsee. (Die Engländer hatten diese Problematik schon viel früher erkannt und die "Greenwich" Diskustonne Ende der 60iger Jahre eingezogen). Das Nachfolgemodell "FS1 Weser", ausgelegt am 11.10.83, eine Großtonne mit schiffsförmigen Tonnenkörper, wurde wegen der Verlegung des Weserfahrwassers zur Jade hin am 23.09.88 eingezogen und durch die Racontonne 3/Jade 2 ersetzt.

Die Brücke

Die Brücke