Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremerhaven

Hier gelangen Sie direkt zum Inhalt der Seite.

 

Hauptnavigation:


Inhalt: Der letzte Tag auf Hohe Weg

 

2. Juli 1973

Zur Erinnerung an die Zeit, als es den Beruf des Leuchtfeuerwärters noch gab.

Leuchtturm Hohe Weg 1973

Leuchtturm Hohe Weg am 2.Juli 1973

Hier die Ansprache des Staatssekretärs im Bundesministerium für Verkehr, Herr Wittrock, am 2.Juli 1973 auf dem Leuchtturm Hohe Weg anlässlich der Inbetriebnahme der Fernsteuerung der Leuchtfeuer an der Außenweser und des Abzuges der Besatzung vom Leuchtturm Hohe Weg.

Staatssekretärs im Bundesministerium für Verkehr, Herr Wittrock, am 2.Juli 1973 auf dem Leuchtturm Hohe Weg

Herr Wittrock ,Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, am 2.Juli 1973 auf dem Leuchtturm Hohe Weg

Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Die heutige Feierstunde auf diesem weit in das Küstenvorfeld vorgeschobenen Leuchtturm "Hohe Weg" gibt Anlaß zu einem Rückblick auf eine nun zu Ende gehende Epoche des Seezeichenwesens an der Weser, in der die alte Seefahrtromantik noch eine gewisse Rolle gespielt hat, und zu einem Blick auf die allein von den Forderungen des modernen Schiffsverkehrs und der neuzeitlichen Technik bestimmte Entwicklung des mit Hilfe von Funktechnik und Elektronik rationalisierten Seezeichenbetriebes.
Wir stehen hier auf historischem Boden. Der Sage nach hat 1500 m nordwestlich von hier die alte Burg Mellum gestanden, nach deren Zerstörung durch eine Sturmflut im Jahre 1066 hier eine Seetonne ausgelegt worden ist. Eindeutig durch Urkunden belegt ist jedoch, daß Bremen im Jahre 1410 von den Häuptlingen von Rüstringen das Recht erworben hat auf der Mellum und dem Roten Sand Baken zu setzen und Tonnen auszulegen und daß schon seit 1421 von den Älterleuten der bremischen Kaufmannschaft ein Tonnen- und Bakengeld erhoben wurde. Die bekannteste Tonne aus früheren Zeiten ist die 1664 als Anseglungstonne der Wesermündung ausgelegte Schlüsseltonne. Die Ãlteste Bake an der Wesermündung wurde nach der Überlieferung im Jahre 1697 auf dem Smitsteert, etwas nördlich von diesem Punkt, errichtet. Sie brannte später ab und wurde im Jahre 1783 durch die sogenannte "Bremer Bake" ersetzt, die bis zum Bau des Leuchtturms Hohe Weg hier gestanden hat. Dieser erste Leuchtturm in der Wesermündung stellte den Erbauer, den Bremerhavener Baurath und Hafenbaudirektor van Ronzelen und seine Mannschaft vor neuartige und risikoreiche Aufgaben. Mit dem Aufmauern des Turmsockels kam man in den Oktober hinein, und der erste Herbststurm des Jahres 1855 brachte nicht nur die in einer Notunterkunft auf der alten "Bremer Bake" untergebrachten Bauarbeiter in ernste Gefahr, sondern zerstörte auch zum großen Teil das bis dahin aufgeführte Mauerwerk. Erst im darauf folgenden Frühjahr konnte die Arbeit wieder aufgenommen und der Turm am 21.August 1856 fertiggestellt werden. Seitdem hat der Leuchtturm Hohe Weg über 100 Jahre allen Stürmen standgehalten und der Schiffahrt ihren Weg in die Wesermündung gewiesen. Als im Jahre 1960 an der Außenweser mit der Einrichtung einer Landradarkette begonnen wurde, erwies er sich noch als so standfest, daß er als Standort einer Radarstation ausersehen wurde, die von Anfang an ferngesteuert betrieben worden ist, wie es von nun an auch mit dem Leuchtfeuer selbst geschehen soll.

Das Konzept für die Fernsteuerung der Seezeichen an den Küsten der Bundesrepublik ist vor rd.10 Jahren in enger Zusammenarbeit von Fachleuten der Industrie und der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung entwickelt worden. Es umfaßt eine weitgehende Automatisierung des Betriebes der einzelnen Seezeichenanlagen, z.B. eines Leuchtfeuers, einer Nebelschallanlage oder einer Radarstation. D.h., daß die rund um die Uhr an Ort und Stelle Dienst tuenden Leuchtfeuerwärter durch autonom arbeitende Geräte ersetzt werden und mehrere Einzelanlagen zu Schaltgruppen zusammengefaßt werden. Damit ist eine Fernsteuerung und Fernüberwachung von zentraler Stelle aus möglich. Als Vorteile dieser umfangreichen Maßnahmen, die seit Jahren im gesamten Küstenbereich der Bundesrepublik durchgeführt werden. und für die die Außenweser nur ein repräsentatives, in sich abgeschlossenes Beispiel ist, erwarten wir finanzielle Einsparungen, eine Verbesserung der Arbeitsplätze sowie eine voll ständigere und schnellere Information der Schiffahrt und damit eine Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Diese Arbeiten wurden an der Außenweser 1969 begonnen und sind jetzt im fünften Jahr zum Abschluß gekommen. Alle bestehenden Seezeichenanlagen wurden so umgebaut, daß sie sowohl von Bremerhaven aus ferngeschaltet und laufend Überwacht werden können, als auch bei Ausfall der Funkverbindung über längere Zeit hinweg selbsttätig arbeiten können. Dazu war auf dem Leuchtturm selbst und auch in der Hauptschaltstelle in Bremerhaven der Einbau und die Verkabelung einer Vielzahl von einzelnen Geräten und Bauteilen erforderlich. In den Gesamtplan mußten ferner die inzwischen neu gebauten Leuchtfeuer von Anfang an in neuer Technik eingegliedert werden. Von der Hauptschaltstelle in Bremerhaven können jetzt 7 örtlich getrennte, meist nur über Funkstrecken erreichbare Schaltstellen mit insgesamt 20 Leuchtfeuern ferngeschaltet und überwacht werden.
Die Einhaltung des schon vor Jahren gesetzten Termins war neben genauer Planung mit Hilfe eines Netzplanes nur durch das Wissen und die Erfahrung der Ingenieure sowie die gewissenhafte und fleißige Arbeit der Facharbeiter und Meister möglich. Nicht vergessen möchte ich dabei die Fahrzeugbesatzungen, die es in unermüdlichem Einsatz, oft auch bei rauhem Wetter möglich machten, die erforderlichen Transport- und Versorgungsfahrten planmäßig durchzuführen. Ihnen allen, ganz gleich ob bei der Verwaltung oder bei Firmen tätig, möchte ich heute meinen herzlichen Dank und die Anerkennung für das vollendete Werk abstatten.
Aber ich, will diesen Augenblick benutzen, in dem an der Außenweser die althergebrachte Tätigkeit des auf seinem Turm wachegehenden Leuchtfeuerwärters beendet wird und mit den vier Männern, die bis heute hier auf dem Turm ihren Dienst verrichtet haben, die letzte Leuchtturmbesatzung eines vor der Küste der Bundesrepublik Deutschland stehenden Leuchtturms abgezogen wird, des nimmermüden Einsatzes dieser Männer zu gedenken.
Für den Laien mag an diesem Dienst oft das Wesentliche die Romantik sein, die zweifellos nicht ganz außer Acht zu lassen ist. Das Bewußtsein zu haben, auf einsamen Posten weit vor der Küste für die Sicherheit der Schiffahrt dazusein, bedeutet für den Menschen Erfüllung. Der Dienst erfordert immer wieder neue Energien zur gewissenhaften und pünktlichen Erfüllung der mit den Jahren zur Routine gewordenen Aufgaben. Der Einsatz verlangt Verzicht auf manche heute den Menschen zur Selbstverständlichkeit gewordene Gewohnheiten. In einem Turnus von 14 Tagen - früher waren es vier Wochen - von allem abgeschnitten auf dem Turm seine Wache zu gehen, wenn auch unsere Leuchttürme seit einigen Jahren mit Rundfunk- und Fernsehgeräten ausgerüstet sind, erfordert einen Menschen besonderer Art, der bereit ist in guter Kameradschaft sein eigenes Ich den Interessen der kleinen Gemeinschaft unterzuordnen.
So möchte ich diese Feierstunde zum Anlaß nehmen, Ihnen allen, die bisher auf den Leuchttürmen in See jahraus - jahrein bei jedem Wetter gewissenhaft und treu Ihre Pflicht erfüllt haben, herzlich zu danken. Stellvertretend für Sie alle sollen jetzt drei besonders bewährte Bedienstete des Seezeichenwesens, die sich um das allgemeine Wohl verdient gemacht haben, - und das kann in einer Zeit, in der der Egoismus leider weit verbreitet ist, nicht hoch genug gewertet werden - mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden.
Es sind dies:
der Oberschiffsführer Hinrich Stechmann,
der Maschinenmeister Josef Morgenthal und
der Seezeichenmatrose Heinrich Janssen.

Ehrung der letzten Leuchtturmwärtermit dem Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Ehrung der letzten Leuchtfeuerwärter mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Der Beruf des Leuchtfeuerwärters in seiner bisherigen Form hat nun sein Ende gefunden. Der neue Seezeichendienst spielt sich in erster Linie nicht mehr hier draußen ab, er besteht vor allem in der Überwachung aller Seezeichenanlagen der Außenweser von der Revierzentrale in Bremerhaven aus sowie in einer ständigen Information der Schiffahrt über alle Vorkommnisse in dem ausgedehnten Revier. Einige der bisher auf den Türmen tätigen Leuchtfeuerwärter versehen bereits diesen Dienst, und sie werden bezeugen können, daß dieser Dienst zwar nicht den Einsatz bei Wind und Seegang verlangt, aber sicherlich nicht weniger verantwortungsvoll ist. Neben diesen Überwachungs- und Informationsdienst tritt der Wartungs- und Reparaturdienst, der vom technischen Personal durchgeführt wird und der auch in Zukunft noch oft genug harten Einsatz bei bewegter See notwendig machen wird.
Ich spreche die Hoffnung aus, daß die neue Anlage die in sie gesetzten Erwartungen voll erfüllen wird und damit der Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs dienen wird. Ihnen, die diese Anlage betreiben werden, wünsche ich weiter Freude an Ihrem Beruf und Genugtuung darüber, an einer so wichtigen Aufgabe mitzuwirken.
So übergebe ich hiermit die Fernsteuerung der Seezeichen an der Außenweser dem Betrieb und erteile der Revierzentrale in Bremerhaven den Auftrag, die Leuchtfeuer einzuschalten.

Die letzte Ablösung auf Leuchtturm Hohe Weg, 2.Juli 1973

Letzte Ablösung auf dem Leuchtturm Hohe Weg 2.Juli 1973