Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremerhaven

Hier gelangen Sie direkt zum Inhalt der Seite.

 

Hauptnavigation:


Inhalt: Kompensationsmaßnahme "Kleinensieler Plate"

Kleinsiel (klein)

Die Kleinensieler Plate ist die größte der im Planfeststellungsbeschluß der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest angeordneten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für die Vertiefung der Fahrrinne der Außenweser. Sie wurde in den Jahren 1999/2000 hergerichtet. Das Maßnahmegebiet befindet sich am westlichen Ufer der Unterweser zwischen dem Fähranlieger Kleinensiel und Nordenham. Auf dem ehemaligen Spülfeld wurde auf einer Fläche von ca. 58 ha eine landschaftstypische Abfolge von Lebensräumen mit Tidegewässer, Röhrichtgürtel, Auengebüsch und großräumiger Grünlandnutzung angelegt. Das Landschaftsbild wurde wieder dem Zustand angenähert, wie er vor der Verspülung des ehemaligen Treuenfelder Armes bestanden hat.

Kernstück ist die Flachwasserzone, ein Tidegewässer mit ca. 10,5 ha Dauerwasserfläche. Das neue Nebengewässer wird als Dauerwasserfläche mit gedämpftem Tidehub angelegt. Drei Sohlschwellen mit einer Höhenlage von 0,50 cm unterhalb MThw stellen eine tiderhythmische Anbindung mit der Weser und dem Treuenfelder Arm her und gewährleisten einen Mindestwasserstand von 2 Metern. Fische des Brackwasserlebensraums wie Aal, Flunder oder Zander sowie Kleinkrebse, Schlammröhrenwürmer oder auch Planktonorganismen werden als Bewohner des neuen Gewässers erwartet. Auf weiteren ca. 9,3 ha soll sich Schilfröhricht ansiedeln.

Luftbild 2008

 Kleinensieler Plate 2008_02_500

Der Bodenaushub aus der Flachwasserzone wurde teils zur Verstärkung des Landesschutzdeiches genutzt und dort als Depot für Deichbauzwecke angelagert, teils zum Uferschutz am Weserufer untergebracht. Ein Uferbereich von etwa 850 m Länge nördlich des Fähranlegers Kleinensiel steht nach Aufbringung der Bodenmassen zukünftig weiterhin für eine Freizeitnutzung als Strandbereich zur Verfügung.

Umgeben wird das Flachwasserbiotop von einer etwa 38 ha großen "Pufferzone", die teilweise der freien Vegetationsentwicklung (Sukzession) überlassen wird, zum überwiegenden Teil aber als extensiv genutztes Grünland den vorhandenen Wiesenvogelbestand auf der Kleinensieler Plate fördern soll. Die Pufferzone ist als Ersatzmaßnahme für direkte Beeinträchtigungen durch Baggerei und Verklappung in der Außenweser vorgesehen. Ausgenommen ist auf etwa 850 m Länge der Strandbereich nördlich der Fähranlegers, der zukünftig weiterhin für die Freizeitnutzung zur Verfügung steht und mit dem überwiegend sandigen Aushubmaterial aus der Flachwasserzone aufgewertet werden konnte.


Kleinensieler Plate im Sommer 1998
Die Kleinensieler Plate vor Beginn der
Kompensationsmaßnahmen (1998)

Nördlicher Bauabschnitt September 1999
Nördlicher Bauabschnitt in der Bauzeit (1999)


Wat- und Wasservögel wie Alpenstrandläufer, Flußuferläufer, Bekassine, Säbelschnäbler und Kiebitz hatten bereits während der Bauarbeiten die in der Baugrube entstandenen Kleingewässer in Besitz genommen. Zahlreiche Möwen und Entenvögel nutzen das neue Gewässer als Rastplatz. Die Bestände an Rast- und Gastvögeln erreichen "Landesweite Bedeutung" für Gänsesäger, Krickente, Pfeifente, Schnatterente, Sturmmöwe, Zwergsäger bzw. "regionale Bedeutung" für Bekassine, Graugans und Reiherente (SINNING 2003).

Das Gewässer wurde umgehend von zahlreichen Tierarten der Brackwasserzone besiedelt. Hervorzuheben ist die Bedeutung der Flachwasserzone für Zooplankter, vagile Epifauna (z.B. Schwebegarnelen) und wandernde Jungfische (Flundern, Grundeln). Die Besiedlung im Gewässergrund war verhaltener, vermutlich ist der eingetragene Schwebstoff zu weich zum besiedeln (Universität Bremen 2003).

Um den Eintrag von Schwebstoffen in die Flachwasserzone zu vermindern, wurden im Jahr 2005 die Überlaufschwellen erhöht. Der Einstrom von schwebstoffhaltigem Weserwasser wurde dadurch gemindert. Außerdem erfolgte im Winter 2004/2005 in Teilbereichen eine Schlickräumung.

In den Jahren 2007/2008 fand eine zweite Funktionskontrolle zur aquatischen Fauna statt. Nach der Erhöhung der Überlaufschwellen und der Schlickräumung im Winter 2004/2005 hat sich der Schwebstoffeintrag deutlich reduziert und das Sediment konsolidiert. Die Besiedlungsdichten im Sediment haben sich daraufhin sehr positiv entwickelt. Auch für vagile Epifauna und Zooplankton hat die Flachwasserzone eine besondere Bedeutung. Sehr interessant ist die Feststellung, dass juvenile Flundern, die in großen Zahlen saisonal zur Nahrungsaufnahme in die Flachwasserzone einwandern, in der Flachwasserzone signifikant besser gefüllte Mägen aufwiesen als Flundern in der Unterweser. Dieser Befund deutet auf eine besondere Funktion der Flachwasserzone für die Ernährung der Flundern hin.

Die Funktionskontrollen werden im Jahr 2010 mit Untersuchungen zu Vegetation und Vögeln abgeschlossen.

Luftbild
Luftbild im Jahr 2001

 

Ergebnisse der Funktionskontrollen

Bericht Aquatische Fauna 2003
pdf / 1,05 MB

Bericht pdf / 1 MB

 

Bericht pdf / 1 MB Tabelle pdf / 4 MB

Bericht Vegetation und Brutvögel 2005
pdf / 16,8 MB

 

Bericht pdf / <strong>16,8 MB</strong>